Christof Blumentrath & Gabriele Hartmann, bon-say-verlag

Das weiße Album – Renhai

Erscheinungsjahr: 2020

2020 im bon-say-verlag, 48 Seiten, Naturpapier, 21 x 21 cm, Hardcover, Fadenbindung, ISBN 978-3-945890-34-9, 14 €
nur zu beziehen im bon-say-verlag

Inhalt:

Weitere Informationen

Textproben, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographische Angaben, Bezugsquellen (Nicht alle Elemente gleichzeitig vorhanden)

30 Renhai und 11 Fotografien
Das weiße Album der Beatles stand Pate für das gleichnamige Buch mit Renhai von Christof Blumentrath & Gabriele.
Der jeweilige Song-Titel (T) findet seinen Platz als erste Zeile des zweiten Verses. Der erste Autor verfasst sowohl den ersten (dreizeiligen) Vers als auch die zweite Zeile des zweiten (zweizeiligen) Verses. Danach schreibt der zweite Autor den (dreizeiligen) Abschlussvers. Auf eine Überschrift wurde bewusst verzichtet … doch auch das sind nicht viel mehr als trockene Worte, die den Prozess des Schreibens beschreiben. Die beiden Autoren ließen sich von den Song-Texten inspirieren und haben diese doch frei interpretiert.

Rezension

Brigitte ten Brink schreibt:

Das einzige Doppelalbum der Beatles, erschienen im November 1968 und wegen seines schlichten weißen Covers auch The White Album, „Das Weiße Album“ genannt. Ein Mix aus vielen verschiedenen Musikstilen und der Beginn ihres Auseinanderlebens. Auch wenn das Album kommerziell sehr erfolgreich war, nicht alle Songs entsprachen den Hörgewohnheiten einiger damaliger (und vielleicht auch noch heutiger) Beatles-Fans, zu scheinbar willkürlich aneinandergereiht waren die Songs nach den zuvor erschienenen Konzeptalben „Seargent Pepper“ und „Magical Mystery Tour“.

Nun liegt es vor mir – Das weiße Album, nicht auf Vinyl, sondern in Buchform. Quadratisch weiß mit schwarzen Linien, die an Sonagramme erinnern. Der Titel und die Autorennamen sind rot gehalten.

Gabriele Hartmann (GH) und Christof Blumentrath(CB) haben miteinander Renhai geschrieben, dreißig an der Zahl, mit den Titeln der dreißig auf dem Album enthaltenen Songs als jeweilige Startzeile des zweiten Verses (T), mit dem ein Renhai immer beginnt. Einer der Autoren (GH bzw. CB) schrieb die zweite Zeile des Startverses sowie den ersten Vers, der andere ergänzte den dritten Vers.

kalter Krieg
die verstreuten Dörfer
tief verschneit

Back in the USSR
noch nicht geschmolzen: der Schnee

Blick hinüber
am Ufer festgefahren
sein Papierschiffchen

GH T GH CB

Muss man die Songs nun kennen, um dieses Buch zu mögen? Muss man die Melodien und die Texte im Ohr haben? Die Antwort ist ein klares „Nein“. Die Fäden, die Gabriele Hartmann und Christof Blumentrath rund um die Songtitel spinnen und zu komplett neuen Texten verweben, stehen für sich.

Auch ich kannte den größten Teil der Songs auf diesem Album nicht, weil ich mich noch nie durch das komplette Album gehört habe. Aus reiner Neugierde habe ich mir aber dann doch alle Texte des Albums aus dem Internet heruntergeladen und gelesen. Wer will, kann in den Renhai assoziative Anknüpfungspunkte an die Lieder entdecken. So zitieren die Beatles, bzw. John Lennon als Autor, zum Beispiel in dem Lied „Glass Onion“ die „Strawberryfields“ und andere ihrer Songs. Ich persönlich habe die Erdbeerfelder als „endlose Felder / in changierendem Rot“ (GH) wiedergefunden. Und im letzten Vers hat derjenige, der „sein letztes Puzzleteil“ (CB) in den Händen hält den Song mit all seinen Anspielungen zusammengesetzt:

endlose Felder
in changierendem Rot
das 7. Universum

Glass Onion
zerbrochen nun: Zeit und Raum

zweimal gedreht
sein letztes Puzzleteil
Abendzwielicht

GH T GH CB

Um die Renhai dieses Buches zu genießen, braucht es kein Hintergrundwissen. Es ist nicht notwendig, sich durch dieses Werk der Beatles zu arbeiten, um sich daran zu freuen oder auch in Staunen versetzen zu lassen, wie es Gabriele Hartmann und Christof Blumentrath immer wieder gelingt, rund um die Songtitel eigene Werke zu spinnen.

Ich gehe allerdings davon aus, dass die Beiden sich das Album angehört haben und sich auch von der Musik inspirieren ließen, besonders bei den Liedern, die textlich nicht viel hergeben, wie z. B. „Revolution 9“ und „Good Night“, die beiden letzten Titel des Albums. „Revolution 9“ ist eine experimentelle Klangcollage, ein musikalisches Inferno mit gesprochenen Textfetzen. Daraus wurde eines meiner Lieblings-Renhai in diesem Buch:

wie ich mich drehe
und wende: Satan starrt
aus dem Spiegel

Revolution 9
geht einfach weiter, Frau Lot

dort!
ein Faden Lametta
im Osterfeuer

GH T GH CB

Und der Titel des Lullaby „Good Night, Sleep Tight“ inspirierte zu dem Renhai

Sommerabend
ihr Körper riecht
nach Pferd

Good Night
auf die Stirn geküsst

den Scheitel
der Himmelsleiter krönt
ein Hufeisenmond

CB T CB GH

Diese Renhai von Gabriele Hartmann und Christof Blumentrath berühren, indem sie Platz lassen für die eigene Phantasie und Raum geben für das ganz persönliche Empfinden, denn der Sinn eines Textes entwickelt sich und entsteht während seiner Rezeption.

Und nicht nur die Renhai berühren. Die in Grautönen gehaltenen kunstvollen Fotografien, surrealistisch abstrahierte Sujets von Gabriele Hartmann und fast unwirklich anmutende Schneebilder von Christof Blumentrath, faszinieren als kühle und geheimnisvolle Begleiter der in den Renhai festgehaltenen Geschichten.

Rüdiger Jung schreibt:

Die Ko-Autoren sind seit 2016 ein eingespieltes Team im Verfassen von Renhai, aber auch Tan-Renga, Renga, Haiga. Unter den bisherigen Renhai, die Gabriele Hartmann mit verschiedenen lyrischen Partnern verfasste, sticht dieser Band durch die Zahl der Texte (30!) sowie die anspruchsvolle bibliophile Gestaltung hervor. Eindringliche, teils rätselhafte Bilder in schwarz-weiß treten zu den zugrundeliegenden Musikstücken und den abgedruckten Partnerdichtungen in einen anregenden Trialog.

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