Rüdiger Jung & Gabriele Hartmann – bon-say-verlag

Hotel California – Renhai

Erscheinungsjahr: 2020

2020, bon-say-verlag, Heft A6 hoch, 24 Seiten, 6 €, zur Zeit nur im bon-say-verlag zu beziehen per E-Mail an info@bon-say.de

Inhalt:

Weitere Informationen

Textproben, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographische Angaben, Bezugsquellen (Nicht alle Elemente gleichzeitig vorhanden)

18 Renhai von Rüdiger Jung & Gabriele Hartmann
Heft, A6 hoch, 24 Seiten, 2020 im bon-say-verlag

Rüdiger & Gabriele haben sich durch das Album „Hotel California“ der Eagles zu Renhai inspirieren lassen.
Die Titel dienen als Startzeile (erste Zeile von Vers 2) und die Autoren verfassen ihre untereinander verlinkten Verse im Wechsel. Rüdiger hat die Titel auf Englisch vorgezogen, Gabriele hat sie frei übersetzt.

Leseprobe

dreh dich nicht um
nur einmal im Leben
dazugehören

auf der Überholspur
wir fahren blind über Rot

alles auf eine
Karte – russisches
Roulette

GH T GH RJ

Rezension

von Brigitte ten Brink

Hotel California, wer kennt ihn nicht, diesen Song der Eagles, dieses Lied über einen Reisenden, der inmitten der Wüste in einem Hotel strandet, dessen Bewohner und Ambiente ihm anziehend und gleichzeitig unheimlich erscheinen, er sich aber deren Betörungen und Zuflüsterungen nicht entziehen kann, sich ihnen vielleicht nie wieder wird entziehen können – Verlockung und Albtraum zugleich, ein Drogenrausch? Hotel California ist der Titelsong des gleichnamigen Albums. Die übrigen Songs handeln vom amerikanischen Westküsten-Lebensgefühl in den siebziger Jahren, mal im Stil einer Ballade, mal mit Gitarrenrock unterlegt, auch Country-Klänge kommen nicht zu kurz. Die Texte handeln vom Leben und vom Lieben.
Was geschieht, wenn die Songs dieses Albums auf ihre Titel reduziert und neue Geschichten zu ihnen gefunden werden? Das haben Gabriele Hartmann (GH) und Rüdiger Jung (RJ) ausprobiert und so ist ein Büchlein mit 18 Renhai entstanden. 18 Renhai, obwohl es nur neun Titel auf diesem Album gibt? Ja, denn das ist das Besondere an diesem Büchlein: Es gibt zu jedem Titel zwei Versionen, die sich gegenüberstehen. Jeder der beiden Autoren ist für sich seinen Eingebungen zu den Titeln – die als erste Zeile des zweiten Verses die Startzeile bilden – gefolgt, hat dann den ersten Vers verfasst und somit die Vorlage für den dritten, den letzten Vers geliefert, mit dem der jeweils andere Autor dann das Renhai beendet. Dabei nimmt RJ den Originaltitel als Ausgangspunkt und GH bringt das Renhai zum Abschluss (stets auf der linken Seite des Büchleins zu lesen).
Durst
erweckt in mir diese
Fata Morgana
Hotel California
klingt so orange
Fantasie und Glück
die Blumenkinder tanzen
Reigen
RJ T RJ GH
***
weißer Rauch
die Gefangenen der Nacht
versammelt
Hotel California
im Spiegel erstirbt ein Lachen
nichts
gibt das Silber
zurück
GH T GH RJ
GH überträgt in ihren Versionen den Originaltitel frei ins Deutsche, formuliert ihre Verse hierzu und RJ vervollständigt das Renhai (auf der rechten Seite des Büchleins zu lesen). So stehen sich zwei ganz unterschiedliche Fassungen, die im Prinzip auf gleicher Grundlage beruhen, gegenüber.
keine Frage
die Buschtrommeln
funktionieren
New Kid in Town
ehedem ein Landei
Billy war sein Name
er zog mit dem Karussell
von Ort zu Ort
RJ T RJ GH
***
fast noch ein Kind …
hinter vorgehaltener Hand
weiß jemand mehr
neu in der Stadt
wir wechseln die Seite
stört sie doch
ohne zu fragen unsere
Langweile
GH T GH RJ
Es ist interessant und spannend zu lesen, welchen Inspirationen und Assoziationen der beginnende Autor folgt und wie der Partner dessen Eingebungen aufgreift und das Werk zu einem Ganzen komplettiert.
Sancho Pansa
nimmt den Meister unter
seine Fittiche
The Last Ressort
wider die Windkraft
Abendsonne …
zwei fremde Kater
auf Patrouille
RJ T RJ GH
***
fremde Laute
er wirft den Blick über
die Grenze
letzter Ausweg
dieses Schimmern bei Nacht
ein Geier
der seinen Kaktus
gefunden hat
GH T GH RJ
Zum Abschluss noch paar Worte zum Cover des Büchleins nach einer Acryl-Collage von Gabriele Hartmann. In Blau- und Beigetönen gehalten, mit Andeutungen von Gebäuden, die zu verschwimmen scheinen, wird der Betrachter in eine (Wüsten-)Landschaft gezogen, die ebenso rätselhaft scheint, wie das Lied vom Hotel California, ein Brückenschlag vom Original hin zu den textlichen Coverversionen.

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