Monika Smollich (in: Sommergras92)

Kassensturz

Es dämmert. Im Garten riecht es würzig nach Erde. Tief atme ich durch. Meine Finger streichen über die raue Rinde des Baumes, von dem mein Vater behauptet, er sei nur ein zu groß geratener Strauch. Ein Zierstrauch, dessen Namen wir nie herausgefunden haben. Fast zehn Meter hoch ist er inzwischen. Mein ganzer Stolz, ein Dorn in seinem Auge.
Was hatte ich nicht alles in die Waagschale geworfen, um meinen Vater von der Idee abzubringen, diesen Baum fällen zu lassen. Seine Argumente reichten von: „Das Laub verstopft die Dachrinne“ bis „Die Wurzeln unterwandern das Haus“. Ich versuchte ihn zu beruhigen, appellierte an seine Logik. „Bäume wurden früher auch schon in Hausnähe gepflanzt. Schau dir die alten Bauernhöfe an.“ Kein Kommentar. „In der Krone hat schon ein Vogelpaar mit dem Nestbau begonnen,“ legte ich nach.
Er fuhr hoch, „Ich sehe keine Vögel.“ Dann sein Trumpf: „Es ist mein Haus.“ Dem konnte ich nichts entgegensetzen. Schweren Herzens streckte ich die Segel. Hoffnungslos.
Bis vorhin, als ich die Küche betrat. Vater brütete über seinen Rechnungen. Eine kostspielige Autoreparatur. Die hohe Heizkostenrechnung. Der Winter war hart … Eine Anzahl Rechnungen mit „Kleckerbeträgen“ vervollständigte das Dilemma.
Der Baum? Müde winkte er ab. Ich verkniff mir ein Grinsen, als ich das Haus verließ.
Noch immer ruht meine Hand auf der Baumrinde. Ich taste einen Zweig entlang, spüre schon die Ansätze von Knospen. In wenigen Wochen werden Trauben winziger weißer Blüten meinen Freund schmücken. Zumindest noch einmal …

Wachsender Märzmond
Im Nachbargarten
Katzenliebe

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Erscheinungsjahr: 2011
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