Lieselotte Jürges (in: Vierteljahresschrift 63)

Kastanien

Jeder Jahreszeit schenkt die Natur eine eigene Schönheit, die sich zusammengefügt von Monat zu Monat schwingt. Nie könnte ich sagen welche mir am besten gefällt. Jetzt ist es Herbst und ich freue mich über die bunten Blätter, über das leuchtende Rot, das Gelb und Braun der Bäume, die oft wie Fackeln im Sturm wanken.
Erinnerungen werden wach. Wie viel Spass hatten wir Kinder beim Suchen von Laub, Eicheln und Kastanien. Nie konnte man genug davon bekommen. Sie waren die Bastelfreuden der Kindheit wenn, draussen die ersten Winde ums Haus heulten
und der Regen gegen die Fensterscheiben schlug. Unter unsere Händen entstanden fröhliche Kunstwerke. Staksige Männchen mit einer Pfeife im Mund, welche immer die Eicheln spendeten. Frauen und Kinder mit bunten Wollfädchen verziert, Hunde an der Leine die auf dem Boden schnüffelten, oder Schiffchen und Boote mit weissen Papiersegeln. Der Fantasie wurden keine Grenzen gesetzt. Wir schmückten uns mit langen Ketten aus dicken, braunen Kastanien und bunten Blattwerk. Vorbei die Zeit! Ein wenig Wehmut durchzieht meine Gedanken. Wirklich vorbei? Heute früh fand ich ein paar von den kleinen Kobolden im feuchten Rasen und nahm sie mit nach Haus. Jetzt liegen die glatten, glänzenden Kastanien in meiner Hand. Ihr warmer Farbton begeistert mich immer wieder. Ja, die drei behalte ich! Eine stecke ich in meine Manteltasche Eine in meine Jacke und die Dritte bekommt auch noch einen Platz. Sie sollen gegen Gliederschmerzen in der kalten Jahreszeit helfen. Ungeschriebenes Gesetz, von Generation zu Generation mit Augenzwinkern weitergegeben. Bekanntlich kann der Glaube Berge versetzten! Wie schön sie sind, die kleine Bastelfreunde der Kindheit und die heimlichen Helfer im
Alter.
Ansichten ändern / sich oftmals im Lauf der Zeit / die Dinge bleiben.

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Erscheinungsjahr: 2003
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