Hartmut Fillhardt (in: Sommergras123)

Keigo

Es ist dieser hektische Sommer, bevor die zwei Türme zusammengestürzt wurden.
Die Losung des neuen Millenniums heißt „Tempo, Tempo, Tempo!“, und meine Aufgabe als Prozessberater bei einem deutschen Logistiker besteht darin, eine „ineffektive“ Software-Test-Abteilung „auf Vordermann“ zu bringen.
Keiner spricht es aus, aber das Damokles-Schwert der Rationalisierung, zugunsten einer standardisierten Software-Lösung, die so manche Personalstelle überflüssig zu machen verspricht, hängt nicht nur über dieser Abteilung.
Druckfrisch aus der systemischen Weiterbildung gehe ich an diese Aufgabe heran – im festen Bemühen, diesmal auch die versteckteren Wirkmechanismen betrieblicher Interaktion zur Verbesserung des Testprozesses bloß legen zu helfen, sodass sich das Schlimmste vielleicht doch noch abwenden lassen wird.

Auf dem Fechtboden
Wir
Ohne Regeln

Zur ersten Besprechung betrete ich voller Tatendrang den Raum. An den u-förmig angeordneten Tischen sitzen die acht Mitglieder der Testgruppe.
„Wie Sie bereits aus der Einladung ersehen konnten …“, beginne ich. Von einem Tisch am Fenster erhebt sich ein älterer, auf den ersten Blick unscheinbarer Mann. Wie sich später herausstellt, ist es der Gruppenleiter.
„Guten Tag …“ sagt er, und streckt mir die Hand hin, „… so viel Zeit muss sein.“
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1 „Keigo“, die japanische Höflichkeitssprache, ist ein für Europäer eher komplex anmutendes Geflecht von Regeln, wie man sich nach japanischer Etikette in welchem Kontext anderen Men- schen respektvoll zu nähern hat.
2 Im Gegensatz zur inhaltlichen Beratung, wo Fach-Experten ihre externen Beurteilungen und Lösungen einbringen, wird in der systemischen Beratung darauf geachtet, dass Beratene sowohl die Ursachen ihrer Engpässe selbst ermitteln als auch eigene Lösungen dazu finden – wobei diese Vorgehensweise das System zusätzlich stärken soll.

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Erscheinungsjahr: 2018
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