Johannes Ahne (in: Sommergras97)

Nur ein Lächeln

In einer kleinen Unterallgäuer Dorfkirche in der Nähe des gebirgsentsprungenen Illerflüsschens sitze ich. Es duftet nach Farbe, Kalk und Gips in dem, eben renovierten, barocken Kirchenschiff. Im KapitellVolant eines Seitenaltars ist ein Bild eingelassen, das den weißbärtigen Gottvater zeigt, der mit schwung- und huldvoller Geste auf das darunter hängende Altarbild blickt.
Diesen Gottvater umflattern Putti (Engelchen) nur aus pausbäckigen Köpfchen und kleinen Flügeln bestehend. Etwas grob geschnitzt und gefasst, Gesichter echter Allgäuer Bauernkinder. Sie blicken lustig kreuz und quer in alle Richtungen. Nur einer blickt mit recht mürrischem Gesichtsausdruck geradewegs auf mich und fängt so meinen Blick.
„Was schaust’ denn so grimmig“ denk ich zu ihm hinauf „lächle halt einmal, Putti sind froh und freundlich! Was hosch denn?“ Er rührt sich nicht, schaut mich weiter grimmig an. Ich zwinkere ihm zu, lach ihn an, hab den „Grimmlich“ fest im Auge, zwink‘re weiter: „Sei nicht so trotzig, kleiner Holzkopf, na komm lächle!“ Nach zehn Minuten gegenseitigen Anstarrens geschieht etwas – des Putto Mundwinkel zucken, er will es wohl nicht – aber er lächelt tatsächlich – nur den Bruchteil einer Sekunde – aber er lächelt – Halleluja!!
Niemand hat es gesehen außer mir. Seither schaut er nicht mehr gar so grimmig, und ich besuch ihn öfters, wir sind nun Vertraute und Gottvater kennt mich auch schon. Denk ich, wo ich auch bin, an diese Kirche und den Engel, lächle ich. Auch dann, wenn ich in grimmige Menschengesichter blicken muss, und ab und zu krieg ich sie „herum“. Sie lächeln zurück, besonders die kleinsten „Menschen-Bengelchen“. Und erfasst mich selbst einmal der Grimm, dann …

Nur ein Lächeln –
Gesichter hellen sich
jemand sagt „Grüß Gott“

Barockkirchlein
ein Putto verschenkt Lächeln
umsonst

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Erscheinungsjahr: 2012
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