Georges Hartmann

Verbrüderung – Gedankenreisen (Haiku und Japanreisen)

Erscheinungsjahr: 2022

Georges Hartmann lebt und schreibt im Westerwald.

Inhalt:

Weitere Informationen

Textproben, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographische Angaben, Bezugsquellen (Nicht alle Elemente gleichzeitig vorhanden)

Georges Hartmann hat mit dem Frankfurter Haiku-Kreis zwei Japan-Reisen unternommen und die hierbei gewonnenen Eindrücke einem Reisetagebuch anvertraut. Jedes Kapitel wird von einem Haiku begleitet.

Rezension

Rüdiger Jung schreibt:
Georges Hartmann „hat mit dem Frankfurter Haiku-Kreis zwei Japan-Reisen unternommen und die hierbei gewonnenen Eindrücke einem Reisetagebuch anvertraut.“ (S. 2). Georges Hartmann ist ein trefflicher Chronist. Er bringt wichtige Eigenschaften mit: Neugier und die Gabe des Staunens. Beides vermag er so weiterzugeben, dass es andere ansteckt. Er ist ein guter, weil unermüdlicher Beobachter. Er sucht nicht so sehr den Ort, wo ihn alle mitkriegen, sondern eher den, wo er alles mitkriegt. Sympathie ist wichtig – für einen Reiseführer, nicht weniger für den Chronisten einer Reise. Zu Georges Hartmanns nicht zu bezweifelnden Gaben gehört ein – notfalls Kapriolen schlagender – Humor, der auch vor der äußersten Selbstironie nicht Halt macht. Er attestiert sich „Einsilbigkeit“ (S. 5) und freut sich jeden Beistands bei der Kommunikation. Er bleibt eingeforderte Haiku schuldig (S. 18, S. 32), was ihn als Autor eher adelt, denn in Frage stellt. Die „silberne Zitrone für weltvergessenes Verhalten“ (S. 40) trägt er mit Würde – kein Zweifel, die hat er sich selbst zuerkannt.

Er ist ein Held. Man freut sich mit ihm – weil es eine Fülle neuer, verblüffender, überraschender Einblicke gibt. Und man leidet ihm, wenn man die Strapazen der Reise gewahrt. „Der Japaner scheint mit quarzgenauer Perfektion selbst den strapaziösesten Ablaufplan unter allen Umständen einzuhalten.“ (S. 7). Kein Zweifel, dass das für die deutschen Gäste eine, nein: die Steilvorlage ist. Wie die anderen Gäste muss er „das Märchen vom unersättlichen deutschen Heißhunger ausbaden.“ (S. 9). Dann sind da Momente der Ermüdung und Erschöpfung – absolut real, wenn auch mit den irrwitzigsten Folgen: „Die Zeitumstellung und zwei schlaflose Nächte lassen mein Gesicht in zartem Japanischgrau erstrahlen, wozu die Müdigkeit meine Augen zusätzlich in zwei langgezogene Striche wandelt, was die gelangweilt dreinschauende Bedienung hinter dem Frühstückstresen keine Sekunde an meiner japanischen Identität zweifeln lässt“ (S. 38). Schließlich ist die Begegnung mit einer fremden Kultur so faszinierend wie herausfordernd, was auch heißt: schlicht aufregend. „Ein schneller Blick auf die Tischkarten signalisiert mir, dass ich bei drei Japanern zu sitzen komme, was die Schweißproduktion in den Achselhöhlen sofort wieder ankurbelt.“ (S. 45). Wer zweifelt da an der hilfreichen Kraft des Humors: „Rechts ein Japaner, direkt vor mir zwei weitere und über mir lacht der liebe Gott was das Zeug hält.“ (S. 49). Es macht den selbstkritischen Beobachter aus, dass er die begrenzten Erfahrungen einer begrenzten Zeit nicht auf die Goldwaage legt: „Ob das bisher Erlebte für Japan repräsentativ oder die Wahrheit an einer ganz anderen Stelle zu suchen ist? Um Menschen, ein Land und eine Kultur begreifen zu lernen, benötigt man sicherlich mehr als eine bloße Stippvisite.“ (S. 12).

Trägt Georges für Japan einen Schlüssel in Händen, dann ist es seine Sympathie für das Land, die Kultur und die Menschen: „Und wer schon einmal von einer Abordnung des Hotelpersonals mit einem hochgehaltenen Abschiedstransparent bedacht worden ist, kann diesem gekonnt freundlichen Volk sowieso nie mehr böse sein.“ (S.21). Daran mag auch ein Tee nichts ändern, der als eher gewöhnungsbedürftig geschildert wird: „Dieser schaumig aufgerührte, spinatgrüne Sud hätte dazumal als Abwehrmittel gegen die fliegenden Reißzähne aus Transsilvanien den eher bescheidenen Erfolg des Knoblauchs garantiert weit in den Schatten gestellt.“ (S. 17). Wo man „aus Gründen der Völkerverständigung japanisches Bier zum deutschen gießt“ (S. 57), steht der titelgebenden „Verbrüderung“ nichts mehr im Wege. Zumindest für das Empfinden des Autors bleibt eine Steilvorlage der Gastgeber ohne adäquate Antwort: „Als Bekräftigung der deutsch-japanischen Beziehungen intoniert ein Frauenchor das „Heideröslein“, die „Loreley“ und „O Tannenbaum“, dem wir betrüblicherweise nichts entgegenzusetzen haben.“ (S. 22). Die Annäherung liegt zutiefst in den Händen des Humors. Etwa, wenn „ein eher betagtes Männermodell“ sich als Autor zu dem von Erika zuvor sicher diagnostizierten „Frauen-Haiku“ bekennt (S. 52). Oder die Geschenke der Gäste für Erheiterung sorgen: „Jetzt schlägt Martin zu einem weiteren Satzball auf und punktet mit echten Ostereiern von freilaufenden Hühnern, welche er an alle Damen verteilt, die selbige zwar ziemlich unschlüssig, dafür aber laut kichernd in Empfang nehmen.“ (S. 53).

Zentrale Probleme – nicht nur der japanischen Gesellschaft! – bleiben nicht außen vor: „Herr Araki beklagt (…) die immer problematischer werdende Frage nach der Bezahlbarkeit des Altwerdens.“ (S. 31).

Georges Hartmann spricht vom Haiku als „einer Kunst (…), der ich eigentlich nur so zum Spaß und mit zweifelhaften Ergebnissen nachgehe.“ (S. 48). Die Bescheidenheit ist echt, dem Befund indes gilt es zu widersprechen. „Dass der Haushund freundlicher bellt als bei unserem Einzug, gibt mir allerdings schon zu denken.” (S. 10). Wer sensibel genug zu solcher Wahrnehmung ist, der überrascht nicht, wenn er Haiku schreibt, die dem Leser wirklich nachgehen:

Mein Herz klopft schneller.
In jeder Runzel des Mönchs
steckt eine Botschaft (S. 20)

Der Mönch senkt den Kopf.
Was für ein mieses Karma.
Das dauert, Bürschlein (S. 64)

EnglishGerman

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.