Tony Böhle

Tony Böhle ist seit 2019 Mitglied im Vorstand der DHG. Als Tanka-Spezialist ist für die Auswahl der vierteljährlich eingereichten Tanka zuständig.

Wohnort: Chemnitz

Biografisches

Geboren 1983 in Rochlitz, lebt heute in Chemnitz und ist seit 2012 Mitglied der Deutschen Haiku-Gesellschaft.

» Haiku ist nicht wirklich mein Thema – dafür aber das Tanka!

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Haiku / Tanka

einmal so sein wie
die Hauptdarsteller in den
Romantic Comedies,
die du so magst… doch bin ich
eher vom Typ Nebenrolle

dem reichen Mädchen
gleichst du in deinen Gesten,
dem Straßenjungen ich
mit meinem Blick… dieser Film,
wie soll er nur gut enden?

Samstagabende
zu zweit vorm Fernseher –
eine Zeit als du
begannst dir Unterwäsche
in 3er-Packs zu kaufen

„Alle Menschen
werden Brüder… „
heute Abend
höre ich Beethoven
voller Resignation

stets zum anderen
den halben Tacho Abstand
halten… gibt es denn
solch eine simple Regel
nicht auch für Eheleute?

deine Tasche
legst du mir lässig
um die Schulter –
eine Reviermarkierung
für fremde Frauen

die wohlgeformten
Melonen
im Obstregal –
ich betrachte sie
mit Missgunst

lieben soll man seine Feinde,
das weiß ich wohl –
doch schlägt dich einer
auf die linke Wange, sag,
was würdest DU dann tun?

Haiga

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Tony Böhle
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haibun

Stundenvorhang

Alle Dinge haben ihre Zeit, so heißt es. Es gibt eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden.
Alle Dinge haben ihre Zeit, so ist es auch mit der Vertrautheit. Ab und an verlasse ich das Haus eine Stunde eher als gewohnt. Blicke ich dann die Häuserblöcke entlang, zähle Stockwerk um Stockwerk ab, wirkt das Muster der erleuchteten Fenster ungewohnt. Geschlossen die Geschäfte, leer die Gassen, abwesend

die bekannten
Gesichter der Fremden
im Bus,

deren Namen man nicht kennt, doch deren Anblick eine Art Geborgenheit vermittelt. Bleibt die Stadt mit ihren Gebäuden und Straßenzügen auch die gleiche, scheint es, als beträte man eine andere Wirklichkeit, die weder Vergangenheit noch Zukunft ist, sondern jenseits aller gängigen Vorstellungen von Zeit. Merkwürdig vertraut, aber

näher – das spür ich – lässt mich
diese Stadt nicht kommen,

bleibt sie stets durch den unsichtbaren Vorhang jener einzelnen Stunde versperrt, dessen Rauschen hier und da nur von einem Außenstehenden vernommen werden mag.

Veröffentlichungen

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