Rita Rosen (in: Sommergras98)

Die Katze

Wir saßen auf der Terrasse des Hauses meiner Freunde in einem türkischen Dorf. Es war Abend. Die richtige Stimmung um Wein zu trinken und zu erzählen. In der Ecke saß die grauschwarze Katze. Sie beobachtete uns.
Wie lange habt ihr sie schon?
Ach, sie ist uns zugelaufen. Wir wollten sie zunächst nicht, aber wir haben uns an sie gewöhnt und sie sich an uns.
Sie ist schön – man muss sie mögen.
Mein Freund schmunzelte und fuhr fort: Aber unser Nachbar mag sie nicht. Sie läuft durch seinen Garten und sitzt auf seinem Balkon, das stört ihn. Er bat mich eines Tages sogar, sie abzuschaffen. Als ich ihn fragte, wie er sich das vorstelle, antwortete er lakonisch: Töte sie.
Nein, das kann ich nicht, gab ich ihm zur Antwort. .
Dann bringe sie weit weg in ein fremdes Dorf, war sein weiterer Rat, dort kannst du sie aussetzen.
Um des nachbarschaftlichen Friedens willen tat dies mein Freund.
Er fuhr in ein Dorf ca. dreizehn Kilometer weit entfernt. Am Rand des Dorfes setzte er die Katze in einem Garten ab. Als sie sich umsah, trieb er sie mit abschreckenden Geräuschen tiefer in den Garten hinein, bis unter die dicht gewachsenen Sträucher. Er wartete noch eine Zeit lang, aber er sah sie nicht mehr. Dann fuhr er zurück. Vorsichtshalber wählte er einen völlig anderen Heimweg. Er machte ein paar Umwege und nahm andere Abfahrten. Am Abend dachte er ein wenig traurig an sie
zurück.
Es dauerte keine zwei Tage, da hörten die Freunde ein lautes Miauen vor der Tür. Richtig, sie war es. Die Katze. Sie hatte zurückgefunden. Geradewegs lief sie in das Haus. Gerührt und erfreut nahmen meine Freunde sie wieder auf.
Versuch es noch mal, sagte der Nachbar, als er die Katze wieder sah.
Nein, sagte mein Freund. Siehst du denn nicht, dass es Allahs Wille ist, dass sie bei uns bleibt?
An diesem Abend hörte die Katze dieser Geschichte aufmerksam zu. Ihr Schwanz bewegte sich lebhaft. Dann sprang sie beherzt auf den Schoß des Freundes und blieb dort sitzen, für den Rest des Abends.

wortlos
er und die Katze
eng beieinander

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Erscheinungsjahr: 2012
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