Annette Grewe (in: Sommergras94)

Fontanes Vermächtnis

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand …

Das Dorf ist noch heute durch seine Geschichte als Rittergut der Familie von Ribbeck geprägt. Ein paar Bauernhöfe und kleine Wohnhäuser drängen sich um die mittelalterliche Kirche. Hier finde ich den berühmten Birnbaum, voller Kraft und Stolz reckt er sich empor. Von Ribbecks Segensspender fiel einem Orkan zum Opfer. In der Kirche kann man noch einen Rest seines Stammes bewundern. Entzaubert wende ich mich dem ehemaligen Herrenhaus zu. In renoviertem Glanz erzählt
es von der Hoffnung auf Touristenströme und klingende Kassen.
Im Gutspark zwischen mächtigen Buchen und knorrigen Eichen winkt ein dünner Maibaum mit flatternden Bändern. Das Gras
schmückt sich mit einem weiß-rosa Teppich aus Kastanienblüten. Quer über die Wiese kommt ein Berner Sennenhund auf mich zu, beschnuppert mich interessiert. Er beschließt, mich auf dem Weg zum Familienfriedhof zu begleiten. Dort setzt er sich demonstrativ neben den imposantesten Grabstein. Mein Blick bleibt an einem schlichten Feldstein hängen:
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand …
Das Dorf ist noch heute durch seine Geschichte als Rittergut der Familie von Ribbeck geprägt. Ein paar Bauernhöfe und kleine Wohnhäuser
drängen sich um die mittelalterliche Kirche. Hier finde ich den berühmten Birnbaum, voller Kraft und Stolz reckt er sich empor. Von Ribbecks Segensspender fiel einem Orkan zum Opfer. In der Kirche kann
man noch einen Rest seines Stammes bewundern. Entzaubert wende
ich mich dem ehemaligen Herrenhaus zu. In renoviertem Glanz erzählt
es von der Hoffnung auf Touristenströme und klingende Kassen.
Im Gutspark zwischen mächtigen Buchen und knorrigen Eichen
winkt ein dünner Maibaum mit flatternden Bändern. Das Gras
schmückt sich mit einem weiß-rosa Teppich aus Kastanienblüten. Quer
über die Wiese kommt ein Berner Sennenhund auf mich zu, beschnuppert mich interessiert. Er beschließt, mich auf dem Weg zum Familienfriedhof zu begleiten. Dort setzt er sich demonstrativ neben den imposantesten Grabstein. Mein Blick bleibt an einem schlichten Feldstein
hängen:
† im Februar 1945 im KZ Sachsenhausen
In der ehemaligen Dorfschule kann man ein historisches Klassenzimmer besichtigen. An einer Schulbank hängt vergessen unter der narbigen Tischplatte ein Ranzen. Kreidestaub scheint in der Luft zu schweben. Sütterlin an der Tafel. Nebenan, im Wohnzimmer des Lehrers, ist ein gemütliches Lokal eingerichtet. Aus der Küche steigt mir ein Geruchspotpourri von Spargel und frischem Kaffee in die Nase. „Ich bin hier in die Schule gegangen“, erklärt ein alter Mann in zerschlissener
Latzhose. „Herr Noack war schnell mit dem Lineal“, erinnert er sich und lässt mit ausholendem Schwung sein Messer auf die Currywurst niedersausen. „Dafür haben wir ihm die Kirschen geklaut.“ Lachfalten zerknittern sein Gesicht. Die Bedienung bringt meinen Kaffee. Im Vorbeigehen klopft sie sanft mit der Hand auf die Schulter des Alten.

Der erste Schultag –
stolz, mit der Tüte im Arm
winkt sie der Mutter

im Februar 1945 im KZ Sachsenhausen
In der ehemaligen Dorfschule kann man ein historisches Klassenzimmer besichtigen. An einer Schulbank hängt vergessen unter der narbigen Tischplatte ein Ranzen. Kreidestaub scheint in der Luft zu schweben. Sütterlin an der Tafel. Nebenan, im Wohnzimmer des Lehrers, ist ein gemütliches Lokal eingerichtet. Aus der Küche steigt mir ein Geruchspotpourri von Spargel und frischem Kaffee in die Nase. „Ich bin hier in die Schule gegangen“, erklärt ein alter Mann in zerschlissener Latzhose. „Herr Noack war schnell mit dem Lineal“, erinnert er sich und lässt mit ausholendem Schwung sein Messer auf die Currywurst niedersausen. „Dafür haben wir ihm die Kirschen geklaut.“ Lachfalten zerknittern sein Gesicht. Die Bedienung bringt meinen Kaffee. Im Vorbeigehen klopft sie sanft mit der Hand auf die Schulter des Alten.

Der erste Schultag –
stolz, mit der Tüte im Arm
winkt sie der Mutter

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Erscheinungsjahr: 2011
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