Bernadette Duncan

zum graureiher verdichtet

Erscheinungsjahr: 2020

BoD Norderstedt, 2020. 96 Seiten. ISBN 9 783 750 405721. 9,50 €

Inhalt:

Weitere Informationen

Textproben, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographische Angaben, Bezugsquellen (Nicht alle Elemente gleichzeitig vorhanden)

Das Haiku als kürzeste Form der Lyrik im deutschen Sprachraum ist noch ein relativ junges Genre. Die vorliegende Auswahl zeigt einen Querschnitt aus zwölf Jahren Haiku Dichtung – ausgehend von japanischen und englischsprachigen Vorbildern loten die Verse auf zarte, persönliche Weise die Möglichkeiten und Grenzen im zeitgenössischen Kontext aus.

Rezension

von Claudia Brefeld:

Seit 2007 hat Bernadette Duncan sich dem Haiku verschrieben und mit „zum graureiher verdichtet“ nun ihr erstes Haiku-Buch vorgelegt.
Das Buch fällt trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit zwischen anderen Büchern auf. Das Cover ist im angenehm dezenten Hellblau gehalten, die Schrift feinlinig. Die Haiku sind großzügig angeordnet. Aber eigentlich ist es schon der Titel, der neugierig macht und spätestens beim Inhaltsverzeichnis muss man einfach weiterblättern.
„von hier aus“ verheißt Erwartung, Aufbruchstimmung und die Lust, sich ungestüm mitziehen zu lassen und erneut zu entdecken und zu staunen.
Kein Haiku veranschaulicht es besser als

Blütenfotos
von hier aus, ruft der Alte
siehst du den ganzen Baum! (S. 21)

„erste flugversuche“ künden nicht nur vom Erobern, dieses Kapitel ist auch prall gefüllt mit Heranreifen, sonnensatten Tagen und dem sich fallen lassen in den vielen großen und kleinen Welten, die nur darauf warten, gesehen zu werden und gleichzeitig doch in ihrer eigenen Vollkommenheit gar nicht unserer Wahrnehmung bedürfen – vielleicht fesseln sie uns aber auch gerade deswegen?

grasrispe
der käfer wippt den tag
in den abend (S. 50)

„nichts als die welt“ hingegen nimmt uns an die Hand, um zu genießen, Resümee zu halten, ja auch ein wenig zu ordnen – das Vergangene und vielleicht das, was noch kommen mag?

alte malerin
den himmelspinsel
lieber nochmal waschen (S.70)

Und zwischen erstem Frost und wohliger Herbststimmung fügt sich das Ein-Wort-Haiku

thymiantee (S. 64)

als duftende Note in diesen Reigen ein – es hätte nicht fehlen dürfen!
„immer klarer“ beschreibt nicht nur das Abschließende in einem Jahreszyklus, Muße findet ihren Raum und ein Stück Zeit kommt zur Ruhe:

langsam gegangen
und hier sind sie doch
spuren im schnee (S. 77)

Zugleich gestattet uns dieses Kapitel auch, den Neubeginn erahnen zu lassen:

wintertag
überraschend begleitet uns
eine delfinmilde sonne (S. 90)

von einem lerchenlied
ins andere, dieser weg
und jener auch (S. 91)

Da ist sie wieder, die Aufbruchstimmung. Der Kreis schließt sich – natürlich und selbstverständlich – und ehe ich mir dessen bewusst bin, habe ich ein weiteres Mal die ersten Seiten aufgeschlagen, knüpfe dort in den Texten mit meinen Gedanken erneut an. Es gibt einfach so viele Lieblingshaiku …
atarashimi – dieser Begriff, der u.a. auch für unverbrauchte neue Blickwinkel, Perspektiven steht – im Buch entdecke ich sie immer wieder.
Nach der letzten Seite stelle ich fest: es ist eigentlich gar nicht möglich, einzelne Haiku vorzustellen und schon gar nicht, um sie als Fenster wirken zu lassen, durch die man in den Inhalt dieses Buches blicken kann. Es ist so facettenreich und dicht mit Leben – einfach prall gefüllt – und genauso möchte ich es allen Haiku-Leser*innen ans Herz legen! Satt von Eindrücken wird man dieses Buch aus der Hand legen, um schon bald wieder danach greifen zu wollen!

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