Ruth Franke (in: Sommergras73)

Stiefmütterchen

Erscheinungsjahr: 2006

Inhalt:

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Textproben, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographische Angaben, Bezugsquellen (Nicht alle Elemente gleichzeitig vorhanden)

In der Gärtnerei habe ich die Qual der Wahl. Ich brauche Stiefmütterchen für Vaters Grab, kann mich aber lange nicht entscheiden. Diese Vielfalt der Farben! Jede anders in ihrem Ausdruck, manche etwas melancholisch. Nannte Jacques Prévert sie deshalb »die traurigste und trübste aller Blumen«? Wusste er, dass sie Symbol für die Leiden Christi ist?

Viola tricolor
ein frischer Wind
aus Nordwest

Während ich meine Auswahl treffe, überlege ich, wie die Blume zu ihrem Namen kam. Die »böse« Stiefmutter? Wohl kaum. Der Volksmund hat eine hübsche Deutung: das unterste, große Blütenblatt ist die Stiefmutter, die anschließenden, ähnlich gefärbten Blätter sind die Töchter. Die obersten, oft andersfarbig, dann die Stieftöchter. Auf dem Bergfriedhof ein kurzer Schauer. Mit einem kleinen Spaten hebe ich Pfl anzlöcher aus und setze die Blumen hinein. Locker und feucht ist die Erde des Urnengrabes. Die Stiefmütterchen schauen mich nachdenklich an. Vielleicht machen sie sich ihre eigenen Gedanken über die neue Umgebung, schließlich nennt man sie auch »Pensées«.
Sehr passend für das Grab meines Vaters, der so viel über Himmel und Erde nachgedacht hat. Auch für den Denker aus der Auvergne, Jahrhunderte zuvor, dessen Werk er sehr schätzte.

Regenfeuchte Luft
aus einer Wolke ins Blau
die ersten Schwalben

Erscheinungsjahr: 2006

Rezension

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