Horst Ludwig (in: Vierteljahresschrift 66)

Nach der Galerie

In der Metro zurück zu meiner Gastgeberin, 20 Minuten unter Grund, 15 dann hoch darüber; — da kann ich anrufen, so daß sie mich am Bahnhof zu weiteren 12 Minuten Autofahrt durch Wohnland erwartet. Die Nationalgalerie schließt wie fast alles um 5. Weit zu früh; — nach dem Stoßverkehr wäre besser.
Als es etwas geräumiger wird, sehe ich von meinem Invalidenplatz aus die Leute, auch ein junges Mädchen, den Bauch zölleweit frei unterm gepiercten Nabel, ziemlich schlanke Hüften, und unterm hochgesteckten Haar die Ohren vielfach beringt. In meinem Alter nennt man so manchen noch jung, aber dieses Mädchen ist sicher eigentlich schon eine junge Frau.

„Sommer“ von Maillol.
Weites Land, kräftig, wogend
zur Ernteeinfuhr.

Als ich anrufe, sagt meine Gastgeberin, sie steige gerade ins Auto; sie kenne meine Pünktlichkeit und möchte nicht, daß ich unnütz Zeit verliere. Der Zug leert sich weiter. Und dann: „Shady Grove. – Endstation.“

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Erscheinungsjahr: 2004
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