Haiku-und Tanka-Auswahl Juni 2020

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Es wurden insgesamt 261 Haiku von 96 Autoren und 59 Tanka von 27 Autoren für diese Auswahl eingereicht. Einsendeschluss war der 15. April 2020. Diese Texte wurden vor Beginn der Auswahl von mir anonymisiert.

Jedes Mitglied der DHG hat die Möglichkeit, eine Einsendung zu benennen, die bei Nichtberücksichtigung durch die Jury auf einer eigenen Mitgliederseite veröffentlicht werden soll.

Eingereicht werden können nur bisher unveröffentlichte Texte (gilt auch für Veröffentlichungen in Blogs, Foren, inklusive die Foren auf HALLO HAIKU,  sozialen Medien und Werk-stätten etc.).

Bitte keine Simultan-Einsendungen!

Bitte alle Haiku/Tanka gesammelt in einem Vorgang in das Online-Formular auf der DHG-Webseite HALLO HAIKU selbst eintragen:

https://haiku.de/haiku-und-tanka-auswahl-einreichen/

Ansonsten per Mail an:

auswahlen@deutschehaikugesellschaft.de

Der nächste Einsendeschluss für die Haiku/Tanka-Auswahl ist der 15. Juli 2020.

Beachten Sie bitte folgende Änderung:

Jeder Teilnehmer kann bis zu sechs Texte – drei Haiku und drei Tanka – einreichen.

Mit der Einsendung gibt der Autor/die Autorin das Einverständnis für eine mögliche Veröffentlichung in der Agenda 2021 der DHG sowie auf http://www.zugetextet.com/sowie für eine mögliche Vorstellung auf der Website der Haiku International Association.

 

Haiku-Auswahl der HTA

Die Jury bestand aus Ruth Guggenmos-Walter, Erika Hannig und Taiki Haijin. Die Mitglieder der Auswahlgruppe reichten keine eigenen Texte ein.

Alle ausgewählten Texte – 52 Haiku – werden in alphabetischer Reihenfolge der Autorennamen veröffentlicht. Es werden max. zwei Haiku pro Autor aufgenommen.

„Ein Haiku, das mich besonders anspricht“ – unter diesem Motto besteht für jedes Jurymitglied die Möglichkeit, bis zu drei Texte auszusuchen (noch anonymisiert), hier vorzustellen und zu kommentieren.

Da die Jury sich aus wechselnden Teilnehmern zusammensetzen soll, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich alle interessierten DHG-Mitglieder einladen, als Jurymitglied bei kommenden Auswahl-Runden mitzuwirken.

Eleonore Nickolay

 

Ein Haiku, das mich besonders anspricht:

Trauerweide
Blätterspitzen im Wasser
wer streichelt wen

Annette Bernold

Die Trauerweide am fließenden Wasser: ein altes, fast nostalgisches Bild und immer wieder schön …

Und immer wieder nimmt es einen gefangen, wie die Äste das Wasser berühren und von ihm bewegt werden. Aber auch die Äste und Blattspitzen verändern die Wasseroberfläche, ihr Sich-Kräuseln, das Spiel darauf von Schatten und Licht …

Dieses Nicht-aufhören-Können zu schauen, dieses Wie-hypnotisiert-Sein – ob es das ist, was einen dann in so einen besonderen traumhaften Geistes- und Gemütszustand versetzt, dass man selbst beginnt, abzudriften, dass es plötzlich tatsächlich so erscheint, als würden die Blattspitzen und das Wasser sich streicheln?

Wo man für Augenblicke etwas für möglich hält …

Aber auf der anderen Seite, was wissen wir schon über die vielfältigen, geheimen Beziehungen – selbst der Menschen?

Ein Haiku, von dem ich mich gern verzaubern lasse.

Ausgesucht und kommentiert von Ruth Guggenmos-Walter

neben der Pfütze
fügen zwei Kleine die Eisstücke
zur Pfütze

Bernadette Duncan

Die Pfütze – ein temporäres Kleinstgewässer.

Pfütze – ein Wort, das man kaum aussprechen kann, ohne lustig zu spucken.

Manchmal hat man den Eindruck, auch Pfützen seien vom Aussterben bedroht. Manche vermissen sie schon wie z. B. die Gelbbauchunke, und ich denke, auch die Kinder.

Die Pfützen aber mit Eis sind kleine, vielfältige Kunstwerke mit eingefrorenem Laub, Schlieren und Luftblasen. Und sie reizen jeden, auch Erwachsene, draufzutreten, bis es kracht!

Im Haiku hier erscheint das Wort „Pfütze“ gespiegelt. Es kommt in der ersten und der dritten Zeile vor. Dazwischen – in der zweiten Zeile – sind die handelnden Kinder.

Sie bauen … Sie fügen aus Eisstücken eine kleine Fläche wie ein Puzzle zusammen

Aber für die Kinder ist es mehr. Für sie ist es eine „echte“ Pfütze, die sie da „gemacht“ haben.

Spielend leicht können sie es sich vorstellen, aber nicht nur vorstellen: Für sie ist es real.

So ist das Haiku für mich ein bisschen ein Symbol für die Zauber-Kraft der Kinder.

Das zersplitterte, spiegelnde Eis wird ein neuer Spiegel. Und der neue Spiegel ist nicht fiktiv, in ihm mag tatsächlich das Blau des Himmels zu erkennen und zu lesen sein. Das Zertretene wird wieder zusammengesetzt, aber in einer anderen Form.

So steht meiner Meinung nach das Haiku für die (Zauber-)Kraft der Kinder und damit auch der jungen Generation, die vielleicht Pfützen schützt … und schätzt.

Ausgesucht und kommentiert von Ruth Guggenmos-Walter

Kirschblüte in Kyoto –
wir skypen
mit rosa Mundschutz.

Manfred Georg Karlinger

Mit Leichtigkeit schlägt dieses Haiku eine Brücke zwischen Tradition und aktuellem Heute.

Es verweilt einen Moment bei der Kirschblüte in Kyoto, um sich dann – nach einem Gedankenstrich – der Person zuzuwenden, die vor dem Computer sitzt und skypt. Die oder der Skypende fühlt sich mit der Kirschblüte und seinem Computer-Gegenüber verbunden.

Das verbindende Element dabei ist die Farbe Rosa.

Über die Ausgangssperre und vielleicht auch über Kontinente hinweg, „feiern“ die beiden das Kirschblütenfest zusammen, indem sie die Farbe der Kirschblüte tragen.

Während die „Kirschblüte“ und „rosa“ auf den Frühling verweisen und die Verbundenheit der beiden optimistisch stimmt, deutet dann das letzte Wort im Haiku: „Mundschutz“ – auf Corona hin, auch wenn sich der „Mundschutz“ durch „rosa“ fröhlich und unbekümmert zeigt.

So enthält das Haiku beides: die Freude und Zuversicht des Frühlings und die dunkle, versteckte Bedrohung durch das Virus.

Genau das ist für mich das Beeindruckende an diesem Haiku, wie hinter Rosa und scheinbarer Unbeschwertheit – nicht fassbares Schwarz aufschimmert …

Ausgesucht und kommentiert von Ruth Guggenmos-Walter

Wanderung im Nebel
nun ist das Moos
der blaue Himmel

Petra Klingl

Corona. Ein Thema, das in der diesmaligen Auswahl häufiges Thema der eingesandten Haiku war. Ist auch dieser Beitrag ein Corona-Haiku?

Ich stelle mir die tatsächlich beschriebene Szene vor. Jemand wandert durch den Nebel – bei Moos denke ich unwillkürlich an Wald – und sieht den blauen Himmel nicht. Aber der Wanderer ist deswegen nicht enttäuscht und klagt, sondern wechselt seine Perspektive. Er nimmt mit dem vorlieb, was ihm bei eingeschränkter Sicht nun zur Verfügung steht und – so verstehe ich es – erfreut sich an dessen Anblick. Hierin kann ich eine Botschaft erkennen, die mir gut gefällt. Möglich wäre zwar auch, dass der Wanderer resignierend zu Kenntnis nimmt, dass er nur Moos bekommt, wo er sich nach blauem Himmel sehnt – ich aber kann mir ja bei aller Offenheit des Haiku die Deutung aussuchen, die mir besser gefällt.

Besonders reizvoll finde ich den Gegensatz zwischen oben und unten, Freiheit und Begrenztheit, Jenseits und Diesseits. Es drängt sich mir der „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich auf. Dort sieht man einen Wanderer, der sich mühevoll über den ungreifbaren Nebel erhoben hat und in das Licht blickt. Der Wanderer im Haiku ist noch nicht soweit, er möchte vielleicht auch gar keinen Gipfel erklimmen, kann er doch bereits seiner Situation im Hier und Jetzt viel Positives abgewinnen.

Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Gegenwart und zum Lockdown. Auch wenn das Haiku die Corona-Krise – anders als so viele andere Einsendungen – mit keinem Wort erwähnt, finde ich den Gedanken sehr aktuell: Auch wenn der Weg nicht klar erkennbar ist und gewohnte Freuden nicht verfügbar sind, so kann ein Perspektivwechsel den Blick auf andere Schönheit richten, die sonst übersehen worden wäre. Das kann dieser Tage das Zusammenrücken in der Familie, ein Buch, ein Gespräch oder eben wortwörtlich sogar Moos im Wald sein, den man außerhalb der Krisenzeit nicht besucht hätte. Und am Ende ist es tröstlich, dass sich der Nebel mal verziehen muss und wir dann wieder mit dem Wanderer in der Sonne stehen werden.

Insgesamt für mich ein klassisch anmutendes und sehr gelungenes Haiku, mit einer positiven aktuellen Botschaft.

Ausgesucht und kommentiert von Taiki Haijin

Soziales Netzwerk
auf der Fensterbank
das Ellbogenkissen

Markus Heep

Als ich dieses Haiku las, tauchte sofort ein Bild aus meiner Kindheit auf. Ich sehe meine Mutter, wie sie auf der Fensterbank lehnt, wartend auf ihre Kinder, die aus der Schule nach Hause kommen. Auch die Nachbarin wartet. Sie schwatzen miteinander, das Mittagessen ist fertig. Bei dieser Erinnerung spüre ich Geborgenheit, die ich damals empfand. Ich bin willkommen, sie lacht mir zu.

Heute in Zeiten von Corona ist manches wieder so. Die Menschen bleiben stehen, unterhalten sich, hören zu, haben ein Ohr füreinander. Der Austausch von Fenster zu Fenster, von Balkon zu Balkon, lebendig, menschennah, von Angesicht zu Angesicht.

Dieses Haiku vermittelt mir Geborgenheit, Zeit, Gelassenheit, miteinander reden ohne Hetze, da sein, zuhören, den anderen Menschen wahrnehmen. Es gibt gerade nichts Wichtigeres zu tun. Ein Straßenbild, das mir gut gefällt und das nur noch in Dörfern anzutreffen ist, wo es die Alten sind, die aus dem Fenster schauen.

Das digitale Netzwerk ist auch wichtig. Schnell hat man eine kleine Nachricht gesendet, ein Bild gepostet, sich etwas Nettes mitgeteilt.

Die Parallelen zwischen der heutigen Corona-Pandemie und meiner Kindheit haben mich angesprochen.

Ausgesucht und kommentiert von Erika Hannig

 

Die Auswahl

Kontaktsperre
nur der Frühlingswind
berührt mich

Christa Beau

der Meise
etwas von Mozart
erzählen

Martin Berner

Baumarkt
die Stille als sie Schrauben
Nägel nennt

Martin Berner

Hüpft hinter mir her
das goldige Rotkehlchen
beim Rasenmähen.

Thomas Berger

Katerfrühstück
die geküsste Dame
bleibt im Dunkel

Christof Blumentrath

gestrandet
über das Lager wälzt sich
der neue Tag

Christof Blumentrath

ihr Abschied am Abend …
vom Tag blieb noch Licht

Horst-Oliver Buchholz

der Himmel überm Meer …
als wäre das Leben
endlos

Horst-Oliver Buchholz

Diese Bö!
Die welken Buchenblätter fallen …
jetzt doch.

Werner Buschmann

Allein im Nachtzug
die Spur des Krimis beginnt
Fahrt aufzunehmen.

Beate Conrad

Dein Lächeln
Vielleicht mein nächstes
Waterloo

Michael Deisenrieder

diese Mücke
wie sie sich versteckt
im Summen des Kühlschranks

Frank Dietrich

Abrisshaus
einsam dreht sich die Windmühle
am Balkon

Hildegard Dohrendorf

das leise Schimpfen
der Meise – ihr Häubchen sitzt
ein wenig schief

Bernadette Duncan

neben der Pfütze
fügen zwei Kleine die Eisstücke
zur Pfütze

Bernadette Duncan

fensterplatz
kein gegenüber
mehr

Hans Egerer

blicke
passieren wortlos
im park

Hans Egerer

Mitternachtssonne.
Ein leeres Boot, festgebunden
am Himmel.

Volker Friebel

Ostern
Die Mail vom Enkel
virenfrei

Hans-Jürgen Göhrung

Eisig ist’s komm rein
du miin Minifliege
vorm Küchenfenster

Peter Gooß

Wochen danach
sucht er auf dem Kissen
ihr Lachen

Matthias Gysel

ein fremdes Parfum
ich überprüfe den
Mindestabstand

Gabriele Hartmann

Hochzeitstag
deine lächelnden Augen
über der Maske

Gabriele Hartmann

Lungenkrank
im Bergdorf zwei Alte
Hand in Hand

Birgit Heid

Soziales Netzwerk
auf der Fensterbank
das Ellenbogenkissen

Markus Heep

Abendlauf
mein Schatten mit
Traumfigur

Anke Holtz

sein Morgengruß
jetzt sehe ich auch
den blauen Himmel

Angelika Holweger

Kirschblüte in Kyoto –
wir skypen
mit rosa Mundschutz.

Manfred Georg Karlinger

Wanderung im Nebel
nun ist das Moos
der blaue Himmel

Petra Klingl

Gang über den Friedhof
immer und immer wieder
der Schnürsenkel offen

Petra Klingl

die Zikade
ausgehöhlt am Zweig –
Winterbeginn

Gérard Krebs

Walkürenritt –
der metallische Klang
ihrer Stilettos

Klaus Kornexl

Sterbestunde –
komm lass uns noch einmal
über den Schnee reden

Eva Limbach

Tagundnachtgleiche
er küsst ihren schwangeren Bauch
Ramona Linke

den Pinsel füllen
mit Leere
werde Bambus

Ramona Linke

Stubenhockerei –
im Tümpel ein träger
Vollmond.

Johann Matye

Ausgangssperre –
die Amsel sammelt
Kirschblüten.

Johann Matye

Abenddämmerung
die Trauerkarte
immer noch weiß

Ruth Karoline Mieger

Fotoalbum
die Umarmungen
aus dem letzten Jahr

Eleonore Nickolay

schluckauf
in gedanken gehe ich
die adressliste durch

Sonja Raab

nachrichten
wem hab ich letzte woche
die hand gegeben?

Sonja Raab

Leerlauf
aus der Infusionsflasche
tropft die Zeit

Evelin Schmidt

frisch renoviert
die Spinne
zieht wieder ein

Evelin Schmidt

eisiger Frühling –
an der Wäscheleine
zwitschern die Klammern

Angelica Seithe

Nadelduft und Moos
Warm der Waldboden
Großmutters Hand

Sulamith Sommerfeld

quarantäne des puzzles tausend teile

Helga Stania

überall im Haus
Spuren der Enkelkinder
Corona-Stille

Brigitte ten Brink

Kleines Vogelkind
gelandet – das Trampolin
ohne Resonanz

Melitta Thomas

zu früh erblüht, ach –
in gefrorenem Tau
klirrt die Pfingstrose

Traude Veran

Einer Katze gleich
plage ich dich samtpfötig:
Zuwendung bitte!

Birgit Wendling

jeden Morgen
der zarte Weckruf
ihrer Hand

Friedrich Winzer

Zwischen Farbtuben
eine weiße Rose
ihr Duft noch im Raum

Gisela K. Wolf

 

Tanka-Auswahl der HTA

 

Ein Tanka, das mich besonders anspricht:

Höhlenmalerei
wenn ich die Flugbahn
des Pfeils
zu Ende denke
stirbt der Bison

Frank Dietrich

Ob der Autor oder die Autorin ein Buch betrachtet und gelesen hat? Ob er oder sie eine Höhle besucht hat? Stand er oder sie in einer Höhlenkopie vor einer Kopie dieser Höhlenmalerei? Zugänglich sind die berühmten Original-Höhlen der Öffentlichkeit seit Jahren nicht mehr; Ausatmungsgase und andere Importartikel würden die Kunstwerke auf Dauer zerstören.

Die fünf Zeilen des Tanka werden benützt, um in Zeile eins das Thema zu setzen, in den Zeilen zwei bis vier eine Annahme zu formulieren, sowie in der Zeile fünf die Folge zu nennen. Es beginnt mit einem fliegenden Start in der ersten Zeile. Knapp folgt die Schilderung ‚wenn – dann‘. Eine Schilderung wie ein Pfeilschuss, möchte ich sagen: Spannen in der ersten Zeile, Abschießen mit Zeilen zwei bis vier und Treffen mit der Zeile fünf.

Diese für mich verblüffend wirkende Übereinstimmung zwischen Inhalt und Form hat mich an zweiter Stelle angesprochen. Dass das Geschehen vom lyrischen Ich abhängt und dann erst noch von seinem Denken – dieser Kunstgriff, der mich sofort mitten in die Jagdszene der Urzeit versetzt, hat mich zuerst besonders angesprochen. Raffiniert scheint mir das Tanka verfasst zu sein: Dem Ich, seinem Denken, wird die Macht über Leben und Tod zugesprochen.

Ausgesucht und kommentiert von Peter Rudolf

 

 Die Auswahl

Höhlenmalerei
wenn ich die Flugbahn
des Pfeils
zu Ende denke
stirbt ein Bison

Frank Dietrich

auch in diesem Jahr
versteck ich bunte Eier
für meine Enkel
als wär nur Ostern
und alles wär in Ordnung

Gabriele Hartmann

vielleicht möchtest du
ja noch ein wenig bleiben
jetzt wo der Schnee fällt –
wie man warme Socken strickt
werd ich sicher noch lernen

Eva Limbach

Osterspaziergang
Kinder und Eltern am See
mit Sonntagsbrötchen
Enten und Schwäne
schnattern durcheinander

Helga Schulz Blank

 

Sonderbeitrag von René Possél

René Possél hat aus allen anonymisierten Einsendungen ein Haiku ausgesucht, das ihn besonders anspricht.

Fotoalbum
die Umarmungen
aus dem letzten Jahr

Eleonore Nickolay

Viele Haiku wurden geschrieben über diese Zeit der Corona-Krise. Wenige haben mich überzeugt. Dies ist eines von ihnen. Ausgangspunkt ist hier das simple Anschauen eines Fotoalbums – ein erster Hinweis auf die unverhofft geschenkte Quarantäne-Zeit zu Hause?!

Wer weiß, was einem ansonsten bei solchem Anschauen auffällt … Derzeit ist der Blick u. a. von der aktuellen Abstandsregel geschärft. Die Fotos aus der Ver­gangenheit zeigen Körperlichkeit. Im „letzten Jahr“ gab es noch spontane Umarmungen bei Familienfesten oder freundschaftlichen Begegnungen. Das macht den Unterschied aus.

Es zeigt die veränderte Zeit in einem menschlichen Detail. Oft heißt es jetzt: Nach der Corona-Krise wird nichts mehr so sein wie vorher. Das deutet sich hier schon an. Wir begegnen uns jetzt anders – und wir werden uns in Zukunft mit dieser Erfahrung anders begegnen …

Das Ganze erinnert mich an Weisheitssprüche aus dem Buch Kohelet (Prediger) des Alten Testaments. Man kann sie (über ihre individuelle Bedeutung hinaus) als Hinweis auf das lesen, was jetzt kollektiv seine Zeit und Stunde hat:

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit. […] Eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen …“
(Kohelet      3,1+5)

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